Recht muss Recht bleiben! Muss Recht Recht bleiben? Und was sagt das Gewissen dazu?
Diese Fragen stellten sich die Schülerinnen und Schüler der HL 5D in den letzten Wochen des Öfteren, denn ein Kooperationsprojekt der Fächer Recht und Deutsch verlangte von ihnen Antworten darauf.

Im Rahmen des Unterrichtes im Gegenstand „Recht“ organisierte Mag. Alexander Thomasitz am 14. März 2019 eine Exkursion ins Landesgericht für Strafsachen, wo die Schülerinnen Fällen beiwohnen und die Arbeit von Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern hautnah erleben konnten. Interessante Fälle wurden verhandelt und die Richterin nahm sich zwischen den einzelnen Verhandlungsterminen für uns Zeit, anstehende Fragen zu klären und uns näheren Einblick in ihre Arbeit zu geben.
Am Nachmittag besuchten wir das Kriminalmuseum im 2. Bezirk und konnten uns dort einen Überblick über die Verbrechen und Gaunereien der Wiener Geschichte machen. Dank der ausführlichen, anschaulichen und dadurch äußerst interessanten Führung hatten wir bei vielen Verbrechen das schaurige Gefühl, fast dabei gewesen zu sein.

Dass Recht sprechen nicht so einfach ist, wie wir es bei unserem Besuch im Landesgericht gesehen haben, stellten die Schülerinnen und Schüler bei der letzten Klassenlektüre im Rahmen des Deutschunterrichtes fest.
Handeln, Verantwortung und Gewissen waren die Schlagwörter, die Ferdinand von Schirachs Gerichtsdrama „Terror“ kennzeichnen. Ein Pilot der deutschen Luftwaffe muss sich des 164fachen Mordes verantworten, da er ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug mit Ziel auf die mit 70.000 Menschen voll besetzte Allianz-Arena in München gegen den Befehl abschießt.
Wir als Leserinnen und Leser sind bei diesem fiktiven Gerichtsprozess die Schöffen, die schlussendlich über die Schuld oder Unschuld des Angeklagten entscheiden müssen. „Darf man das Leben weniger Menschen opfern, um das Leben vieler zu retten?“ Diese rechtsphilosophische Frage wurde im Rahmen des Deutschunterrichtes diskutiert und dabei Einblick in die humanistische Rechtssprechung genommen: „Ist es richtig, das Prinzip der Menschenwürde über die Rettung von Menschenleben zu stellen?“ Dies ist nur eine Frage von vielen, die die SchülerInnen mit großem Engagement versuchten zu beantworteten.
Nach der Lektüre und interessanten Diskussionsrunden hatten wir die seltene Gelegenheit, das Stück in Maria Anzbach live zu sehen. Dort spielte die örtliche „Schaustellerei“ mit Laienschauspielern und genauso wie in der literarischen Vorlage, wurde das Publikum dazu aufgefordert, nach den Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Stimme für Freispruch oder Verurteilung abzugeben – der Pilot der Luftwaffe wurde mit 87 von 102 abgegebenen Stimmen freigesprochen. Im Anschluss an das Stück konnten die Schülerinnen und Schüler noch mit dem Jus-Student Benedikt Peter, der den „Angeklagten“ spielte, diskutieren und Meinungen austauschen.

Das Fazit aller war: ein hochaktueller Stoff, den Ferdinand von Schirach hier verarbeitete hat, und der die Moral und das Gewissen eines jeden Einzelnen von uns fordert.

Mag. Alexander Thomasitz (Recht), Dr. Cornelia Künstler (Deutsch)

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