Obdachlosigkeit aus einer ganz anderen Perspektive: Eine Shades-Tour in Wien

Während ein Teil der 5CHLW im Rahmen des Soziales-Unterrichts in der Zweiten Gruft mit Prof. Daniela Sedlmeier ein Menü für bedürftige Menschen kochte, konnte der andere Teil der Gruppe in Begleitung von Prof. Alexandra Fiedler das Phänomen Obdachlosigkeit aus einer anderen Perspektive kennenlernen: Ein ehemals Obdachloser führte uns entlang der Gumpendorfer Straße durch den 6. Bezirk, der sich besonders in der Arbeit mit Obdachlosen hervortut.

Ausgangspunkt der Führung war der Lutherplatz im 6. Wiener Gemeindebezirk in der Nähe der Sozialeinrichtung „s’Häferl“ der Diakonie Wien. Dort können sich Obdachlose beraten lassen, eine Verpflegung bzw. andere notwendige Sachen erhalten oder die Einrichtung als Meldeadresse angeben.

Den zweiten Halt legten wir vor dem Gebäude der „Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul“ ein. Wir erfuhren, dass dort täglich 200 Frühstücke ausgegeben werden und diese an keine Bedingungen gebunden sind.

Im weiteren Verlauf unserer Tour machte uns unser Guide besonders auf leerstehende Wohnungen und Gewerbeflächen aufmerksam. Alle Obdachlosen in Wien könnten eine Unterkunft finden, wenn diese leerstehenden Objekte zugänglich gemacht würden. Allerdings werden viele Wohnungen als Anlagegüter/Investments gehalten, andere werden auch nicht zweckgemäß als Lagerräume verwendet. Wer genau schaut, kann solche Wohnungen leicht an den schmutzigen Fenstern oder heruntergelassenen Jalousien erkennen. Die hohen Mieten, vor allem für Leute, die keinen Anspruch auf günstigere Gemeindewohnungen haben, sind oft einer der Gründe, warum Menschen in die Obdachlosigkeit rutschen. Oft spielen mehrere tragische Ereignisse zusammen (Verlust des Partners, Verlust des Jobs, etc.).

Eine weitere Station unserer Tour war die Fraueneinrichtung „Obdach Ester“. Hier kamen wir auf das Phänomen der „versteckten“ Obdachlosigkeit zu sprechen, fast 70 % der obdachlosen Frauen sind davon betroffen. Betroffene Frauen haben keine Wohnung, kommen aber für einige Tage bei Freunden, Bekannten unter oder begeben sich in Abhängigkeitsbeziehungen mit neuen Partnern.

Der Esterhazy-Park nahe dem Haus des Meeres war der letzte Halt im Freien. Dieser Park wird – im Gegensatz zu vielen anderen – in der Nacht nicht versperrt, Bänke sind nicht mit Armlehnen in der Mitte versehen, es gibt niedrige Plattformen – Obdachlose finden hier also eine Aufenthalts- und Schlafmöglichkeit. Gefahren gibt es aber auch hier, Übergriffe von betrunkenen Jugendlichen hat unser Guide am eigenen Leib erfahren.

Den Abschluss unserer Tour bildete die Besichtigung der Schlafmöglichkeiten in der seit 30 Jahren von der Caritas geführten Gruft in der Barnabitengasse. Alles in allem bekamen wir also einen differenzierteren Blick auf die Obdachlosigkeit sowie einen Einblick in das Leben obdachloser Menschen.

Mag. Alexandra Fiedler

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